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Kurzarbeitergeld – Sonderregelungen in der Corona-Krise

Mai 15, 2020

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In diesem Blog-Artikel erkläre ich Ihnen die Rahmenbedingungen zum Thema Kurzarbeitergeld – woher kommt das gezahlte Kurzarbeitergeld, was bedeutet Kurzarbeit für Sie finanziell, welche rechtlichen Voraussetzungen gilt es zu beachten. Ich gehe außerdem auf die Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch Änderungen am Kurzarbeitergeld aufgrund der Corona-Krise ein. Weitere ausführliche Informationen finden Sie auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit.

 

Was bedeutet Kurzarbeit für mich?

 

Kurzarbeit und Steuer – kurz erklärt

Wer von Kurzarbeit betroffen ist, darf zusätzlich Geld verdienen – ohne Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergelds. Die Regelung ist im Rahmen der Corona-Krise eingeführt worden und gilt seit dem 1. Mai 2020 bis vorerst zum 31. Dezember 2020. Wenn Sie von Kurzarbeit betroffen sind, können Sie Geld vom Staat zum Ausgleich erhalten. Dieses Geld ist für Sie zunächst steuerfrei, erhöht allerdings Ihren persönlichen Steuersatz.

Kurzarbeitergeld wird vielfach genutzt, um Arbeitsplätze zu erhalten, die durch den plötzlichen Einbruch von Umsätzen gefährdet wären. Die Bundesagentur für Arbeit prüft bei einem Antrag auf Kurzarbeitergeld, ob wirklich wirtschaftliche Ursachen vorliegen oder vielleicht betriebsinternes Missmanagement Schuld an der Notlage eines Betriebs ist. Denn von der Möglichkeit eines Antrags auf Kurzarbeit profitiert hauptsächlich das antragstellende Unternehmen. Die Arbeitnehmer haben nur langfristig und unter Gehaltseinbußen etwas davon. Es gilt: Kein Kurzarbeitergeld bei Missmanagement!

 

Achtung:

Der Bezug von Kurzarbeitergeld ist nachrangig gegenüber der Vermittlung in Arbeit. Das bedeutet, dass die Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der Kurzarbeit immer prüft, ob eine Vermittlung des kurzarbeitergeld-beziehenden Arbeitnehmers in ein anderes Arbeitsverhältnis möglich ist.

 

Konjunkturelles Kurzarbeitergeld – Wie funktioniert es?

In Ihrem Betrieb tritt aufgrund wirtschaftlicher Ursachen eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung ein – dann kann Ihr Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit einen Antrag auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld für seine Mitarbeiter stellen. Das bedeutet für Sie: Erfüllt Ihr Betrieb die gesetzlichen Bestimmungen, übernimmt – nach Beginn des Arbeitsausfalls – die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des entgangenen Lohns der betroffenen Arbeitnehmer. Arbeitnehmer mit Kind erhalten statdessen sogar 67 Prozent des entgangenen Lohns. Ihren gekürzten Lohn zuzüglich Kurzarbeitergeld bekommen Sie von Ihrem Arbeitgeber regulär auf Ihr Konto überwiesen.

 

 

Achtung:

In einzelnen Fällen kann die Arbeit sogar gänzlich eingestellt werden („Kurzarbeit auf Null“).

Weitere Formen von Kurzarbeitergeld – neben dem konjunkturellen Kurzarbeitergeld – sind das Saison-Kurzarbeitergeld für Branchen, in denen bei schlechtem Wetter nicht gearbeitet werden kann und das Transferkurzarbeitergeld im Falle einer Firmeninsolvenz.

 

 

 

Sonderregelungen für Kurzarbeit in der Corona-Krise

Aufgrund von Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise können betroffene Unternehmen Kurzarbeit beantragen. Die Bundesregierung hat den Zugang zu Kurzarbeitergeld erleichtert und verbessert.

 

Vorteile für Arbeitgeber

  • Für die Bewilligung von Kurzarbeitergeld mussten bislang mindestens 30 Prozent der Beschäftigten innerhalb eines Betriebs von Arbeitsausfall betroffen sein – aktuell wird Kurzarbeit bereits ab einem Anteil von zehn Prozent anerkannt.
  • Das Kurzarbeitergeld kann rückwirkend zum 1. März 2020 beantragt und kurzfristig ausgezahlt werden.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge, welche während der Kurzarbeit gezahlt werden müssen, werden Arbeitgebern in voller Höhe erstattet.

 

 

Vorteile für Arbeitnehmer

  • Es besteht für Arbeitnehmer aktuell keine Verpflichtung, die ausgefallene Arbeitszeit auf einem Arbeitszeitkonto zu sammeln („negatives Arbeitszeitsaldo“), bevor Kurzarbeit ermöglicht wird.
  • Bislang galt: Eine neue Nebenbeschäftigung während der Kurzarbeit wurde in voller Höhe von der Lohnersatzleistung abgezogen. Aktuell ist diese Regelung außer Kraft gesetzt und es gilt: Wer zusätzlich zum Kurzarbeitergeld durch eine Nebenbeschäftigung Geld verdient, senkt dadurch nicht seine Lohnersatzleistung in Form von Kurzarbeitergeld. Diese neue Regelung gilt vorerst bis zum 31. Dezember 2020.
  • Bisher übernahm die Agentur für Arbeit nur 60 Prozent des entgangenen Lohns, bei Arbeitnehmern mit Kind 67 Prozent. Aufgrund der besonderen Umstände im Rahmen der Corona-Krise wird das Kurzarbeitergeld bis Ende 2020 gestaffelt angehoben.Wer Kurzarbeitergeld für eine um mindestens die Hälfte reduzierte Arbeitszeit bezieht, erhält ab dem vierten Monat 70 Prozent des entgangenen Lohns, mit Kindern 77 Prozent. Ab dem siebten Monat des Bezugs steigt das Kurzarbeitergeld dann auf 80 Prozent beziehungsweise 87 Prozent mit Kindern.

 

 

Ein Rechenbeispiel zur Kurzarbeit

Sie haben mit Ihrem Arbeitgeber einen Bruttolohn von 1850 Euro für 40 Wochenstunden Arbeit vereinbart. Sie sind kinderlos und verdienen netto demnach normalerweise 1.332 Euro.

Ihr Arbeitgeber beantragt Kurzarbeit und kürzt Ihre Arbeitszeit um die Hälfte auf 20 Stunden pro Woche. Durch die Anpassung des Bruttolohnes und der damit verbundenen Veränderung des Steuersatzes sinkt Ihr Nettolohn so auf beispielsweise 777 Euro, also 555 Euro weniger als vor der Kürzung Ihrer Arbeitszeit.

Die Bundesagentur übernimmt nun 60 Prozent Ihres entgangenen Nettolohns, also 333 Euro. Zusammen kommt Sie nun auf 1.110 Euro, also dank Kurzarbeitergeld auf nur 222 Euro weniger, statt ohne Kurzarbeitergeld 555 Euro weniger. Da Ihre Arbeitszeit um mindestens die Hälfte gekürzt wurd, würden Sie ab dem vierten Monat insgesamt 1.165,50 Euro erhalten, ab dem siebten Monat sogar 1.221 Euro.

 

 

Achtung:

Seit Januar 2016 beträgt die gesetzliche Regel-Bezugsdauer für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld maximal 12 Monate.

 

 

 

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei

Da das Kurzarbeitergeld durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung getragen wird, sind alle Formen von Kurzarbeitergeld steuerfrei. Sie unterliegen aber dem steuerlichen Progressionsvorbehalt. Das heißt: Die 333 Euro Kurzarbeitergeld aus unserem Rechenbeispiel sind für Sie steuerfrei – erhöhen aber Ihren persönlichen Steuersatz, mit dem Sie Ihr restliches Einkommen versteuern müssen.

 

Kurzarbeitergeld in die Steuererklärung eintragen

Das Kurzarbeitergeld steht auf Ihrer jährlichen Lohnsteuerbescheinigung – da Sie das Kurzarbeitergeld nicht von der Bundesagentur überwiesen bekommen sondern von Ihrem Arbeitgeber.

Alle Lohnersatzleistungen, die hier genannt sind, tragen Sie in Anlage N Ihrer Steuererklärung ein. Dort ist eine Zeile explizit für Kurzarbeitergeld oder andere Zuschüsse, Zuschläge und Aufstockungsbeiträge ausgewiesen.

 

Achtung:

Wenn Sie Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten haben, besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung.

 

 

Kurzarbeit während Corona

 

Ihre Fragen zum Kurzarbeitergeld kurz erklärt

 

Wie viel weniger Geld bekomme ich?

Wer komplett in Kurzarbeit geht, bekommt normalerweise maximal 60 Prozent seines letzten Netto-Einkommens ausgezahlt. Ist auf der Lohnsteuerkarte ein Kinderfreibetrag eingetragen, erhöht sich dieser Anteil auf 67 Prozent. Allerdings sind den Auszahlungen Grenzen gesetzt. Berechnungsgrundlage ist immer das letzte Einkommen, höchstens jedoch die Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt im Jahr 2020 bei 6900 Euro (für Ostdeutschland gilt eine Grenze von 6450 Euro). In Westdeutschland beträgt das maximale Kurzarbeitergeld demnach 4623 Euro (67 Prozent von 6900 Euro).

Bis zum Jahresende 2020 gelten nun höhere Auszahlungen. So erhalten Sie in Zukunft ab dem vierten Monat in Kurzarbeit 70 Prozent des letzten Nettos (77 Prozent mit Kind im Haushalt) und nach Ablauf von sechs Monaten 80 Prozent (87 Prozent mit Kindern). Allerdings nur, wenn die Arbeitszeit um wenigstens die Hälfte reduziert wurde.

Berechnungshilfe finden Sie aktuell hier.

 

Bekomme ich die Differenz vom Staat gezahlt?

Nein, direkt vom Arbeitgeber. Dieser erhält dann eine Erstattung von der Agentur für Arbeit.

 

 

Kann ich in Kurzarbeit eine andere Arbeit aufnehmen, um meine Einkommensverluste auszugleichen?

Ja, das ist möglich. Vor der Corona-Krise galt: Wer während der Kurzarbeit einen anderen Job angenommen hat, dessen zusätzliches Einkommen wurde komplett auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Je nach Verdienst blieb unter dem Strich also nicht mehr Geld übrig. Das ist jetzt anders. Ab dem 01.05. bis voraussichtlich zum 31.12.2020 verringert sich das Kurzarbeitergeld in Deutschland nicht, wenn Sie einen anderen Job ausüben. Allerdings nur, wenn es sich um eine „systemrelevante“ Tätigkeit handelt. Um welche Jobs es sich dabei handelt, ist in dieser Verordnung konkret geregelt.

 

Ein Beispiel:

Harry aus Wedel ist in der Metallverarbeitung tätig. Durch die aktuelle Krise meldet sein Chef bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit an, Harrys Arbeitszeit wird um 60 Prozent reduziert. Die neue Situation ist für Harry aus zweierlei Hinsicht bedauerlich. Erstens verliert er aufgrund des Kurzarbeitergeldes einen erheblichen Teil seines Einkommens.

Und zweitens bricht ein großes Stück seiner täglichen Struktur weg. Da Harry keine Familie hat, möchte er insbesondere jetzt in der Krise mit anpacken. Jetzt erhält er das Angebot, im Logistikzentrum einer Supermarktkette auszuhelfen. Hierbei handelt es sich um einen systemrelevanten Beruf. Das zusätzliche Einkommen, dass Harry aus dieser Tätigkeit bezieht, wird daher nicht auf sein Kurzarbeitergeld angerechnet.

Update:

Seit dem 01.05.2020 gilt diese Ausnahmeregel für alle Berufe, nicht nur für Tätigkeiten in systemrelevanten Bereichen.

Übrigens, bei Minijobs gelten teilweise andere Regeln – mehr dazu in diesem Beitrag.

 

Kann ich Kurzarbeitergeld mit „Hartz IV“ aufstocken?

Wer keinen Nebenjob findet, muss nach weiteren Wegen suchen, sein Kurzarbeitergeld aufzustocken. Eine Möglichkeit kann das Wohngeld sein. In dieser Frage wenden Sie sich an das zuständige Amt in Ihrer Stadt. Ist auch diese Variante nicht umzusetzen, bleibt am Ende immer noch das Arbeitslosengeld II, im Volksmund oft „Hartz IV“ genannt.

 

Aber Vorsicht:

Bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende gelten strenge Voraussetzungen. So wartet auf die Antragsteller unter anderem eine Vermögensprüfung – unter Einbeziehung des Lebenspartners.

Seit dem 01.03.2020 gilt hier allerdings ein Moratorium. Um Anträge schneller bearbeiten zu können, verzichten die Jobcenter bei Anträgen bis zum 30.06.2020 auf die Vermögensprüfung. An deren Stelle müssen Sie eine Erklärung abgeben, dass Sie kein erhebliches Vermögen besitzen. Was im Anschluss an diese Zeit folgt, wissen wir noch nicht.

 

 

Wie hängen Kurzarbeitergeld und Krankengeld zusammen?

Wer längere Zeit arbeitsunfähig ist, bekommt zunächst Lohnfortzahlung und später gegebenenfalls Krankengeld. Dieses kann jedoch nicht mit Kurzarbeitergeld aufgestockt werden. Von Kurzarbeit betroffene Beschäftigte erhalten entweder das Eine oder das Andere. Mehr Infos zum Kurzarbeitergeld für Menschen, die längerfristig erkranken, lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die wichtigsten Aspekte und Sonderfälle zum Thema Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise verständlich erläutern und Ihre Fragen ausführlich beantworten.

 

Wenn Sie darüber hinaus Unterstützung benötigen: Ich stehe Ihnen jederzeit für ein kostenloses Beratungsgespräch zur Verfügung.

Melden Sie sich bei mir!

Mail: wentscher@digital-steuern.net

Telefon: 0176 70799442

 

Bleiben Sie gesund.

 

Eine schönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Daniel Wentscher

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